Unsere Zusammenarbeit mit nbw

Jeder unserer Adventskalender wird individuell gepackt, mit 24 Produkten, die alle an der richtigen Stelle landen müssen. Diese Arbeit übernimmt die Nordberliner Werkgemeinschaft (nbw), eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung hier in Berlin, die wir vor Ort auch besucht haben. Weil uns Transparenz wichtig ist und weil das gesetzliche System hinter Werkstätten zu Recht öffentlich diskutiert wird, wollen wir hier erzählen, wie diese Zusammenarbeit aussieht.

Warum nbw?

Wir waren bei nbw vor Ort, haben das Team, die Beschäftigten und ihr Konzept kennengelernt. 

Mehr als Verpacken

Innerhalb der Werkstatt gibt es keinen festen Platz, auf den jemand einfach festgelegt wird. Gemeinsam mit den Beschäftigten wird geschaut, welche Aufgabe zu ihren Interessen, Fähigkeiten und Wünschen passt, verschiedene Bereiche dürfen ausprobiert werden, und wer wechseln möchte, kann das jederzeit tun.

Dazu kommen Angebote wie Sozialdienst, pädagogische Begleitung, Pflegedienst und arbeitsmedizinische Unterstützung sowie Sport, Kreativität, Musik und Bildung. Diese Angebote gibt es, damit Beschäftigte individuell gefördert werden, Fähigkeiten erlernen oder erhalten und sich beruflich weiterentwickeln können.

Es gibt einen gewählten Werkstattrat sowie eine Frauenbeauftragte, über die Beschäftigte bei Themen, die ihren Arbeitsalltag betreffen, mitbestimmen können.

Wege aus der Werkstatt

Auch berufliche Bildung gehört dazu: Beschäftigte können verschiedene Tätigkeiten kennenlernen, sich qualifizieren und ausprobieren, was ihnen liegt. Bei nbw gibt es eine Integrationsbegleitung und Jobcoaches, die beim Übergang in reguläre Unternehmen unterstützen, etwa über Praktika in anderen Unternehmen, betriebsintegrierte Arbeitsplätze oder das Budget für Arbeit. Gleichzeitig gibt es genauso Menschen, die sich bewusst für die Werkstatt entscheiden, weil ihnen die Arbeit gefällt oder weil sie dort genau die Unterstützung finden, die sie brauchen.

Zum Thema Entgelt

Aber warum bekommen die Beschäftigten keinen Mindestlohn? Der Grund liegt im rechtlichen Rahmen. Beschäftigte in einer Werkstatt stehen nicht in einem klassischen Arbeitsverhältnis, sondern in einem sogenannten arbeitnehmerähnlichen Verhältnis. Das Entgelt setzt sich aus einem Grundbetrag und einem individuellen Steigerungsbetrag zusammen, ergänzt um das staatliche Arbeitsförderungsgeld, und liegt damit unter dem, was ein reguläres Gehalt ausmachen würde.

Ein häufig genannter Grund, warum das Entgelt nicht einfach erhöht wird, ist, dass ein höheres Entgelt an anderer Stelle zu Kürzungen bei staatlichen Unterstützungsleistungen führen würde. Genau dieser Mechanismus wird aktuell rechtlich infrage gestellt.

Wir finden, dass sich an diesem System etwas ändern muss. Das ist aus unserer Sicht kein Problem einzelner Werkstätten, sondern eine strukturelle Frage, über die gerade auf politischer und juristischer Ebene verhandelt wird.

Mehr über nbw

Wir verschließen die Augen nicht vor der Kritik am System der Werkstätten, vor allem beim Entgelt teilen wir sie. Gleichzeitig haben wir durch unseren Besuch und den Austausch mit nbw eine Zusammenarbeit und ein Konzept kennengelernt, das uns überzeugt und wir wichtig finden. Beides gehört für uns zusammen.

Wenn ihr mehr über die Arbeit von nbw erfahren möchtet, findet ihr weitere Informationen auf nbw.de. Und falls ihr Fragen zu unserer Zusammenarbeit habt, schreibt uns gerne jederzeit an adventskalender@zuckerjagdwurst.com.